Nachhaltig zu leben hat für mich nicht mit Verzicht zu tun, sondern mit Entschleunigung, Wertschätzung und Genügsamkeit. Trotzdem wird eine nachhaltige Lebensweise oft als kompliziert und nicht-alltagstauglich bezeichnet. Ich spreche immer wieder darüber, wie einfach es sein kann, nachhaltig zu leben und die eigenen CO₂-Emissionen zu reduzieren. Deshalb habe ich mich sehr gefreut, als ich den Aufruf zur Blogparade „Nachhaltiger leben – Diese nachhaltigen Gewohnheiten halte ich wirklich durch“ von Hannah gesehen habe. Mein Beitrag ist einer von vielen zu diesem wichtigen Thema - schau doch auch mal auf ihrer Seite vorbei, wenn dich das Thema interessiert.
Kleidung gebraucht kaufen
Ich kaufe schon seit vielen Jahren keine neue Kleidung mehr, außer Unterwäsche, Socken und Bademode. Ich möchte dazu beitragen, dass die Nachfrage nach Kleidungsstücken sinkt und insgesamt weniger produziert wird. Wie bei vielen nachhaltigen Gewohnheiten ist das nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber für mich ist es trotzdem ein wichtiger Beitrag.
Wenn eins meiner Kleidungsstücke kaputtgeht, versuche ich erst, es zu reparieren. Falls das nicht möglich ist, suche ich zuerst im Second-Hand-Laden, dann auf Online-Portalen für gebrauche Kleidung nach Ersatz. Die Suche nach etwas Passendem kostet oft mehr Zeit, als einfach im Laden oder online etwas Neues zu kaufen. Trotzdem ist das für mich so zur Gewohnheit geworden, dass ich mich gar nicht erst auf den Weg in einen „normalen“ Laden oder Online-Shop mache, sondern direkt überlege, bei welcher Quelle für Second-Hand-Kleidung die Trefferquote für dieses eine Kleidungsstück wohl am höchsten ist.
Aufs Auto verzichten
Da ich in der Stadt wohne, fällt es mir relativ leicht, aufs Auto zu verzichten. Ich wohne in einem Stadtteil am Rand einer Großstadt, in dem alles für den täglichen Bedarf fußläufig erreichbar ist. Für Strecken, die mehr als 20-30 Minuten Fußweg erfordern, gibt es meistens eine ÖPNV-Verbindung, die mich in akzeptabler Zeit ans Ziel bringt. Wenn ich alleine unterwegs bin, nehme ich auch oft das Fahrrad, zum Beispiel um zum Sport im Nachbarort zu fahren.
Zum Glück klappt das auch ganz gut mit meinen Kindern: Dank Buggy, Laufrad und Fahrrad können wir auch gemeinsam in der Stadt ohne Auto unterwegs sein. Manchmal laufen wir nur, manchmal nutzen wir auch Bus oder Bahn. Leider muss ich bei manchen Strecken trotzdem aufs Auto zurückgreifen, weil wir entweder sehr viel Gepäck dabei haben oder keine passende ÖPNV-Verbindung verfügbar ist. Für solche Strecken kann ich mein Fahrrad nicht nutzen, da ich aus Platzgründen keinen Fahrradanhänger abstellen kann und dann entweder Gepäck oder Kind transportieren kann.
Vegetarisch ernähren
Für die Erzeugung von Fleisch, Milch und Eiern werden große Flächen für den Futtermittelanbau benötigt, was oft zu Abholzung führt. Zudem entstehen hohe Treibhausgasemissionen, und es wird ein Vielfaches an Wasser verbraucht, verglichen mit dem direkten Anbau pflanzlicher Lebensmittel. Deshalb habe ich vor über zehn Jahren aus Neugier ein Experiment gewagt: 2 Monate fleischfrei - was esse ich dann eigentlich?
Weil ich schnell gemerkt habe, dass das eigentlich gar kein Problem ist, habe ich meine Ernährung dann direkt umgestellt. Für mich ging es nicht darum, Fleischgerichte 1:1 vegetarisch zu kochen, sondern meinen Speiseplan auf Hülsenfrüchte auszuweiten und neue Rezepte auszuprobieren. Das einzige, was mir am Anfang schwergefallen ist, war auf Maultaschen zu verzichten - die gibt es inzwischen aber auch mit Gemüsefüllung in jedem Supermarkt.
Im Alltag nutze ich das Baukastensystem, um mir Mahlzeiten zusammenzustellen: eine kohlenhydratreiche Beilage (Kartoffeln, Nudeln, Brot, Reis), dazu eine proteinreiche Komponente (Hülsenfrüchte oder Tofu) und eine gute Portion Gemüse dazu. Je nachdem füge ich noch ein Topping oder eine Soße dazu, aber insgesamt ist das eine sehr unkomplizierte Art, sich vegetarisch zu ernähren - meistens klappt es sogar, ganz auf tierische Produkte zu verzichten.
KI bewusst einsetzen
Die KI hat in den letzten Jahren ziemlich zügig den Einzug in unseren Alltag geschafft. Die Technologie an sich finde ich faszinierend und auch nützlich, zumindest für bestimmte Bereiche und Aufgaben. Gleichzeitig finde ich es erschreckend, was eigentlich im Hintergrund passiert: Riesige Datenzentren verbrauchen Unmengen an Strom aus fossilen Energiequellen, tausende Liter Grundwasser werden zur Kühlung benötigt, in den Servern sind unter anderem Rohstoffe verarbeitet, die mithilfe von Ausbeutung und Kinderarbeit abgebaut werden.
Trotzdem nutze ich ChatGPT oder Claude, um Gedanken zu strukturieren, einen Überblick über ein Thema zu bekommen oder auch mal für eine Recherche. Ich verzichte momentan darauf, Bilder mit KI zu erstellen oder einen Agenten zu programmieren, der mir jegliche Aufgaben abnimmt. Ich schließe nicht aus, dass ich das jemals tun werde, aber im Moment komme ich noch ohne aus. Jedes Mal, bevor ich eine Frage in die KI eintippe, frage ich mich nochmal kurz, ob das jetzt wirklich Mehrwert hat, oder ob ich auch anders zu einer guten Antwort kommen kann.
Haushalt nachhaltig denken
Neben den vier größeren Gewohnheiten fallen mir noch viele kleine an, die ich unter Haushalt zusammenfasse. Viele davon gehen in Richtung Wiederverwertung/Müllvermeidung:
- Plastikverpackungen von Nudeln als Plastiktüten verwenden (Snacks einpacken, einfrieren, Shampoo/Duschgel/Sonnencreme in der Tasche sichern, …)
- Briefumschläge als Einkaufs-/Notizzettel verwenden
- Die Rückseite von Briefen als Notizpapier verwenden
- Regenwasser zum Gießen in der Wohnung verwenden
- Marmeladen-/Gurkengläser für angebrochene Vorräte verwenden (trockene Hülsenfrüchte, Trockenfrüchte, Kekse, …)
- Paketkartons weiterverwenden
- Alte Handtücher als Waschlappen oder Stoffwindeleinlage verwenden
- Werbeprospekte, Verpackungen, Zeitschriften zum Basteln verwenden
Zusätzlich achte ich bei Wasch-, Spül- und Putzmitteln darauf, dass sie ökologisch sind, und spare Wasser, so gut es geht.
Fazit: Nachhaltig leben geht auch unperfekt und pragmatisch
Auch in meinem Alltag gibt es Gewohnheiten, die nicht zu 100 % nachhaltig sind. Anstatt mich mit Perfektionismus aufzuhalten, versuche ich, meinen Alltag immer wieder zu hinterfragen und nach und nach weitere nachhaltige Gewohnheiten zu etablieren. Gleichzeitig ist mir bewusst, dass es auch Situationen gibt, in denen meine Zeit und meine Energie nicht ausreichen, um nachhaltige Alternativen zu leben. In unserer Gesellschaft und Wirtschaft sind konventionelle Produkte und Methoden normalerweise einfach bequemer, schneller und besser verfügbar.
Meine nachhaltigen Gewohnheiten kommen mir nicht sehr besonders und total selbstverständlich vor. Ich werde diesen Blogartikel und die damit verbundene Blogparade aber zum Anlass nehmen, meinen eigenen Alltag nochmal genauer unter die Lupe zu nehmen - vielleicht kann ich bald noch weitere Punkte ergänzen.
Welche Gewohnheiten machen deinen Alltag nachhaltig? Woran scheiterst du noch, wofür hast du noch keine gute Lösung gefunden? Lass es mich in einem Kommentar wissen!

