Was bedeutet Selbstfürsorge für mich?

09.02.2026

Selfcare ist ein Wort, das mich lange Zeit irgendwie getriggert hat. Einerseits, weil ich mich ertappt gefühlt habe: Kümmere ich mich eigentlich um mich selbst? Und andererseits, weil Selbstfürsorge oft mit Wellness und Luxus assoziiert wird, was einfach nicht so richtig in meinen Alltag und zu meinen Werten passt.

Rani Gindl hat zur BlogParade „Was ist Selfcare für dich?“ aufgerufen, und aus diesem Anlass habe ich mir nochmal Gedanken gemacht, was Selbstfürsorge für mich eigentlich bedeutet. Dabei habe ich gemerkt, dass ich doch so einiges dafür tue, um Erholung, Entspannung und Entschleunigung in meinen Alltag zu holen - auch, wenn mir das nicht immer leicht fällt. Ich achte inzwischen darauf, inmitten des trubeligen Alltags permanent auch für mich selbst zu sorgen - präventiv, statt symptomatisch.


Meine Definition

Selbstfürsorge bedeutet, für das eigene Wohlbefinden und die physische und psychische Gesundheit zu sorgen. Dazu gehören körperliche, geistige und emotionale Aspekte, beispielsweise gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung, ausreichend Schlaf, Körperpflege und soziale Interaktionen. Oder anders formuliert: Selbstfürsorge bedeutet für mich, auf mich aufzupassen und mich um mich zu kümmern. Sie zeigt sich mehr in alltäglichen Gewohnheiten, als in einzelnen aufwendigen Maßnahmen. Für mich geht es bei Selfcare darum, wie ich mich im Alltag behandle, wie ich meine Umgebung gestalte und welche innere Haltung ich mir selbst gegenüber habe. Das fängt bei den Grundbedürfnissen an: Genug Schlaf, gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung. Selbstfürsorge heißt, die eigenen physischen, psychischen und emotionalen Bedürfnisse nicht zu ignorieren oder immer hinten anzustellen, sondern sie zu befriedigen.

Außerdem gehört für mich noch dazu, mir bewusst Zeit zu nehmen für Dinge, die mir Freude bereiten und mich entspannen, z.B. raus in die Natur zu gehen, Freundinnen zu treffen oder ein gutes Buch zu lesen. Es geht darum, Verantwortung für mein Wohlbefinden zu übernehmen, Signale meines Körpers ernst zu nehmen und präventiv zu handeln, um langfristig gesund zu bleiben - körperlich und mental.


Wie ich mit mir umgehe

Zu Selbstfürsorge gehört auch, wie ich in Gedanken mit mir spreche: freundlich, voller Mitgefühl, nicht verächtlich oder verurteilend. Die Stimme in unserem Kopf können wir steuern, und sie hat einen großen Einfluss darauf, wie wir uns fühlen. Mich um mich zu kümmern heißt auch, Ansprüche und Erwartungen an mich selbst herunterzufahren. In unserer Leistungsgesellschaft treiben wir uns oft selbst mehr an, als uns guttut und dürfen deshalb darauf achten, unserem innerem Kritiker nicht zu viel Raum zu geben. Ich bin genug!

Ein weiterer Aspekt von Selfcare ist die bewusste Auseinandersetzung mit mir selbst. Pausen, Auszeiten, Spaziergänge ohne Handy, Zeit zum Nachdenken und Reflektieren nehmen, Zeit in der Natur verbringen. Nur dann schaffe ich es überhaupt, mir selbst zuzuhören, meine Bedürfnisse wahrzunehmen. In unserer lauten, schnelllebigen Welt ist das manchmal gar nicht so einfach. Achtsamkeit ist für mich also ein wichtiger Bestandteil von Selbstfürsorge, erstmal wahrnehmen, spüren, hinschauen. Es geht gar nicht immer darum, sofort etwas zu ändern, sondern erstmal zu beobachten. Dabei helfen mir auch Meditationen, Journaling, Stille - mich bewusst auszuruhen und die Gedanken einfach kommen zu lassen.

Das Ziel von Selfcare ist die Erhaltung meiner Gesundheit. Das heißt auch, dass ich mir Ruhe nehme, wenn ich krank oder verletzt bin. Das fällt mir ehrlich gesagt manchmal sehr schwer, hat sich aber natürlich bewährt. Anstatt einfach durchzupowern, versuche ich auf meinen Körper zu hören, Pläne zu ändern und mich davon nicht stressen zu lassen. Und apropos Stress: zu Selbstfürsorge gehört für mich auch, mein Nervensystem zu beruhigen. Atmung, Bewegung, Stressabbau, zur Ruhe kommen, bei mir ankommen.


Wie ich meine Umgebung gestalte

Selbstfürsorge lässt sich mit der typischen Situation im Flugzeug vergleichen: Die eigene Atemmaske zuerst aufsetzen, damit man dann auch fit genug ist, um für andere da zu sein. Selfcare ist also bei weitem nicht egoistisch oder Luxus, sondern auch die Basis für entspannte Sozialkontakte und Beziehungen. Damit es nicht zu schnell wieder umschlägt und die Fürsorge für andere Menschen auf Kosten der eigenen Selbstfürsorge geht, ist es für mich wichtig, Sozialkontakte so zu gestalten, dass sie mich nicht stressen. Dazu gehört, auch mal Nein zu sagen und Grenzen zu setzen, Entscheidungen nicht sofort zu treffen oder sich Optionen offen zu halten.

Neben der sozialen Umgebung spielt für mich auch die physische Umgebung eine Rolle. Weil ich weiß, dass mich Chaos und Unordnung stressen, versuche ich mein Umfeld minimalistisch und ordentlich zu gestalten, visuelle Reize zu reduzieren und auch optisch Ruhe reinzubringen. Neben einer aufgeräumten Wohnung hilft mir auch, viel Zeit in der Natur zu verbringen, um mich entspannt und ausgeglichen zu fühlen. Ruhige Orte geben mir Energie, laute Orte ziehen mir Energie. Vor allem in stressigen Phasen versuche ich deshalb vermehrt ruhigere Orte aufzusuchen, um einen Ausgleich zu schaffen und mich zu regulieren.

Zu meiner Umgebung gehört auch mein Smartphone und die Nachrichten, die dort eintrudeln. Ob E-Mail, Messenger oder Nachritenportale: Ich habe alle Benachrichtigungen ausgeschaltet und öffne die jeweiligen Apps möglichst bewusst (das klappt nicht immer, ich zücke auch mal aus Langeweile das Handy). Dadurch kann ich im Alltag mehr bei mir bleiben, als ständig über das Weltgeschehen oder die 17 neuen Nachrichten in einer WhatsApp-Gruppe nachzudenken. Weil ich ja trotzdem ein soziales Wesen bin, nehme ich mir ein- bis zweimal am Tag Zeit, um Nachrichten zu lesen und zu beantworten, und mich zumindest grob darüber zu informieren, was auf der Welt geschieht.


Was mir schwer fällt

Obwohl ich Selbstfürsorge in meinen Alltag einbaue, bin ich trotzdem manchmal überfordert, reizbar oder niedergeschlagen. Dann weiß ich, dass ich mich wieder besser um mich kümmern darf und versuche, erstmal Druck rauszunehmen und zu schauen, was mir gerade fehlt. Wie ich eine Freundin fragen würde, was denn gerade eigentlich los ist, versuche ich auch bei mir die Ursachen herauszufinden und etwas dagegen zu tun. Auch wenn ich oft krank werde, ist das ein Zeichen für mich, meine Bedürfnisse wieder ernster zu nehmen. Gesünder ernähren, mehr schlafen, mehr moderate Bewegung - ohne Perfektionsdruck, sondern mit einer liebevollen Disziplin. Dabei helfen mir oft Checklisten oder Habit Tracker, meine Routinen wieder aufzubauen und zur Gewohnheit werden zu lassen.

Selfcare bedeutet auch, Teil einer Community zu sein. Wir sind soziale Wesen und auf den Kontakt mit Freund:innen, Familie und anderen Menschen angewiesen. Sozialkontakte sind ein weiteres Grundbedürfnis, damit wir gesund und zufrieden leben können. Als eher introvertierter Mensch fällt mir dieser Punkt oft schwer. Offen zu sein und neue Kontakte zuzulassen, fühlt sich für mich oft anstrengend und kräftezehrend an. Auch Kontakte zu halten und Freundschaften zu pflegen fällt mir nicht immer leicht.


Was Selbstfürsorge nicht ist

Uns wird von der Werbung und in den sozialen Medien oft suggeriert, dass Selfcare bedeutet, viel Geld oder Zeit zu investieren, um sich etwas zu gönnen. Einen Urlaub am Strand, ein ausgedehntes Schaumbad, ein Luxusauto. Für mich ist diese Art von Selfcare nicht zielführend, weil diese Maßnahmen normalerweise nur vereinzelt umsetzbar sind, anstatt sich wirklich regelmäßig in den Alltag integrieren zu lassen. Das Bedürfnis nach diesen Maßnahmen entsteht eher durch den Vergleich mit anderen, als durch das Wahrnehmen der eigenen Bedürfnisse. Außerdem ist Selbstfürsorge für mich nicht mit noch mehr Konsum und Kommerz verbunden, sondern eher mit weniger: back to the roots, wieder bei uns ankommen, unserer eigenen und der uns umgebenden Natur. Erden, durchatmen, nähren.

Kritisch wird es für mich auch, wenn Selbstfürsorge zum To-do wird, also eher Stress erzeugt, als ihn zu reduzieren. Im besten Fall läuft Selfcare einfach im Alltag mit und muss nicht extra eingeplant werden. Auch bei mir gibt es aber Phasen, in denen ich mich daran erinnern muss, mir wieder mehr Zeit für mich zu nehmen. Übergangsweise kann es dann schon passieren, dass ich bestimmte Dinge fest einplane und als Termin in den Kalender schreibe. Insgesamt versuche ich meinen Alltag aber so zu gestalten, dass Selfcare-Elemente enthalten sind und ich gar nicht anders kann, als mich auch um mich zu kümmern.


Konkrete Beispiele

Um zu verdeutlichen, was Selbstfürsorge für mich im Alltag konkret bedeutet, habe ich ein paar Beispiele gesammelt:

  • Zwischendurch dehnen, strecken, ein paar Yoga-Übungen (spontan, ohne Matte)
  • In Ruhe eine Tasse Tee trinken, dabei nichts nebenher machen
  • Speisepläne und Einkaufslisten schreiben, um mich gesund zu ernähren (fällt mir sonst manchmal schwer, wenn es stressig ist)
  • Spazieren gehen ohne Handy
  • Die Sonne im Gesicht genießen, am besten draußen in der Natur
  • Früher ins Bett gehen
  • Meal prepping, um gesunde Mahlzeiten parat zu haben
  • Journaling, Gedanken aufschreiben, mich mit meinen Bedürfnissen auseinandersetzen
  • Bildschirmfreie Abende
  • Verabredungen mit Freund:innen regelmäßig ausmachen
  • Sport, Bewegung (laufen, Krafttraining, Yoga)
  • Handyfreie Sonntage

Die Liste ist nicht vollständig und wird bestimmt immer mal wieder ergänzt. Weitere konkrete Beispiele habe ich auch in meinem Blogartikel über Selbstfürsorge im Alltag: Meine Routinen und Methoden als Mama beschrieben. Im Großen und Ganzen bedeutet Selbstfürsorge in meinem Alltag, ganz bewusst zu entschleunigen, mich nicht von der Hektik und der hohen Geschwindigkeit mitreißen zu lassen.


Fazit

Wenn ich so darüber nachdenke, stelle ich fest, dass das ganze Konzept von Slow Living für mich eigentlich nichts anderes als Selfcare ist. Es geht einfach darum, mehr auf sich selbst zu achten, um dadurch auch wieder mehr an Mitmenschen und die Gesellschaft zurückgeben zu können. Zeit und Energie zu haben, um in Gemeinschaft und miteinander zu leben, statt isoliert und allein gelassen mit den Herausforderungen des Alltags. Die Basis dafür ist die Erfüllung von Grundbedürfnissen wie ausreichend Schlaf, genug Bewegung und gesunde Ernährung - nicht als To-do, sondern als Gewohnheit. Selbstfürsorge bedeutet auch, zu hinterfragen, was ich wirklich brauche, anstatt Dinge zu tun, weil man das eben so macht oder weil das jemand von mir erwartet. Selbstfürsorge ist für mich eher eine innere Haltung, als eine Sammlung von konkreten Maßnahmen.

Ich persönlich versuche, Selfcare in meinem Alltag immer mitzudenken. Ich achte darauf, regelmäßig Dinge zu tun, die mir mental und körperlich guttun. Gleichzeitig lasse ich mich nicht davon stressen, wenn mir das mal nicht gelingt, sondern nehme meine Routinen und Gewohnheiten sanft wieder auf. Wir leben in einem System, das es uns manchmal sehr leicht macht, uns und unsere Bedürfnisse hinten anzustellen. Wir wollen erst noch kurz etwas erledigen, noch schnell für jemand anderen da sein, und dann muss nur noch diese eine Sache unbedingt gemacht werden - dann sind wir dran. Oder eben auch nicht, weil dann schon die nächste Verpflichtung wartet.

Ich möchte mit Slow Living dazu einladen, dieses System zu hinterfragen und Möglichkeiten zu finden, sich ihm ein wenig zu entziehen. Es ist nämlich auch genau dieses System, das uns einredet, Selbstfürsorge wäre egoistisch - weil es ohne die ständige Aufopferung vermutlich zusammenbrechen würde. Mit Selbstfürsorge sind wir also einerseits besser gewappnet für unseren Alltag, und schaffen gleichzeitig Raum, Dinge zu hinterfragen und Veränderungen anzustoßen.

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Hey, ich bin Sina. Ich bin überzeugt davon, dass wir mit dem Konzept „Slow Living“ entspannt und zufrieden leben können. Eine achtsame, nachhaltige Lebensweise kombiniert mit einem guten Zeitmanagement entschleunigt unseren Alltag langfristig - quasi natürlich.

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